Proben-Marathon vor dem Konzert

Die letzte Woche vor einem Jahreskonzert in der Philharmonie sollte sich ein Sänger des Kölner Männer-Gesang-Vereins lieber frei von Terminen halten: Von Montag bis Sonntag findet fast jeden Abend eine Probe statt, um den verschiedenen Opernchören aus "Wilhelm Tell" von Gioachino Rossini den letzten Schliff zu geben, mit dem der KMGV sein diesjähriges Jahreskonzert am 1. Juli in der Philharmonie bestreiten wird. Woran in den vielen Zusatzproben vor dem großen Konzert gefeilt wird, erfahren Sie hier.

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Etwa Mitte Februar beginnen die Proben am Programm eines Jahreskonzert des KMGV. Dann stoßen auch wieder die rund 80 Sänger zum Chor, die während der Karnevalszeit jeden Abend mit dem Divertissementchen auf der Bühne der Oper standen. Vier Monate á vier Proben hat der musikalische Leiter Bernhard Steiner Zeit, den Männerchor in Intonation und Aussprache der gewählten Musikstücke fit zu machen. In diesem Jahr war besonders die Aussprache des französischen Textes eine Herausforderung. Vor jeder Gesangsprobe gab ein französischsprachiger Sänger seinen Sangesfreunden Phonetik-Unterricht.

Noch eine Besonderheit im Proben-Alltag: Für die opulenten Chorpartituren hat sich der Kölner Männer-Gesang-Verein in diesem Jahr zwei Gastchöre eingeladen, denn als reiner Männerchor fehlen dem KMGV vor allem Frauen(-stimmen). Die gemischten Chöre (Junger Konzertchor Düsseldorf, Philharmonischer Chor Köln) haben bislang getrennt vom KMGV geprobt. Am vergangenen Samstag fügte KMGV-Dirigent die drei Chöre erstmals in einer Probe zu einem einheitlichen Stimmkörper zusammen. Zwar singen alle nach den gleichen Noten, aber feinste Unterschiede in Tempo oder Dynamik während der Einstudierung machen sich jetzt beim gemeinsamen Musizieren sofort bemerkbar. Der wichtigste Tipp des musikalischen Leiters: "Hören Sie aufeinander – und achten Sie auf meine Einsätze!" Für Dirigent Bernhard Steiner keine leichte Aufgabe: Orchester, sieben Solisten und gut 300 Chorsänger zeitgleich zu lenken.

Jede Probe setzt einen anderen Schwerpunkt

Männerchor und Orchester proben für das Konzert in der PhilharmonieAm Dienstag die erste Probe mit den Solisten: Als Profis brauchen die SängerInnen nur wenig Anleitung. Einsätze, Tempovorgaben sind schnell abgesprochen. Wünsche des musikalischen Leiters zu Ausdruck und Phrasierung können die Berufsmusiker schnell umsetzen. Für den Chor ist es schon schwieriger, das vorgegebene Tempo zu halten, um den Solisten den von Rossini komponierten Klang-Hintergrund zu bereiten.

Erneut finden die drei Laien-Chöre zu einer Probe in den großräumigen Filmstudios in Hürth zusammen, um die aufwendig ineinander verschachtelten Choreinsätze zu festigen. An manchen Stellen im "Wilhelm Tell" singt jede Stimmlage den anderen "dazwischen". Hier ist größte Konzentration der 300 SängerInnen gefordert, damit niemand seinen Einsatz verpasst.

Bei der Hauptprobe am Mittwoch proben die Chöre und Solisten das erste Mal mit dem Orchester – bisher gab es während der Proben "nur" Klavierbegleitung. Die Umstellung ist nicht zu unterschätzen: Akkorde und Einsätze aus dem vielfältigen Klang eines Sinfonieorchesters herauszuhören ist viel schwieriger als bei einem einzelnen Konzertflügel. Bei der ersten und einzigen Probe in der Philharmonie muss der Dirigent aber auch Tempo und Lautstärke der verschiedenen Klangkörper aufeinander und auf die Akustik des Konzertsaals abstimmen.
Auch vermeintlich nebensächliche Dinge werden vereinbart: Die Aufstellung der SängerInnen und der Einzug in die Philharmonie müssen festgelegt und geprobt werden. Sogar in welcher Hand die Notenmappe zu halten ist, wird vorgegeben, um den Zuschauern in der Philharmonie ein möglichst harmonisches Gesamtbild zu bieten.
Schließlich ist der Kölner Männer-Gesang-Verein Veranstalter des Konzertes und Gastgeber für knapp 1500 Besucher in der Philharmonie. Mit der konzertanten Aufführung des "Wilhelm Tell" will der KMGV wie üblich seiner Rolle als Kulturbotschafter seiner Heimatstadt Köln gerecht werden.

Keine Angst vor der Generalprobe

Die Generalprobe am Samstag soll im besten Fall eine reine "Durchlaufprobe" sein. Doch zu perfekt darf die letzte Probe vor dem großen Konzert am Sonntag nicht verlaufen, schließlich gilt auch für Sänger die Bühnenweishet: "Auf eine verpatzte Generalprobe folgt eine grandiose Premiere!"
Zu den unsichtbaren Konzertvorbereitungen gehört es auch, geeignete Probenräume zu finden. Orchester, Solisten und 300 SängerInnen finden im Vereinshaus des KMGV, der "Wolkenburg" leider keinen Platz. Für die Generalprobe wird der Kölner Männer-Gesang-Verein daher Gast in der Hochschule für Musik und Tanz sein.

Während sich am Sonntag langsam Foyer und Zuschauerränge der Philharmonie füllen, treffen sich die 300 SängerInnen bereits hinter der Bühne zum gemeinsamen "Einsingen" – unerlässlich für einen guten Chorklang. Beginnt um 16 Uhr die konzertante Aufführung der Oper "Wilhelm Tell" von Gioachino Rossini durch den Kölner Männer-Gesang-Verein, werden die Sänger auf eine anstrengende Woche zurückblicken können. Der Applaus des Publikums ist dem Laien-Chor die schönste Gage.

Es gibt noch ein geringes Kontingent an Eintrittskarten für das Philharmonie-Konzert des KMGV. Wenden Sie sich an das Sekretariat des Kölner Männer-Gesang-Vereins (Tel. 0221 / 23 12 32) oder an eine der bekannten Vorverkaufsstellen.

-BW-

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