KMGV-Jahreskonzert 2019

Vaterländische Lieder und spitze Satire

Offenbach-Konzert: Vaterländische Lieder und spitze Satire
Offenbach-Konzert: Vaterländische Lieder und spitze Satire

2019 feiert Köln den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach. Der Kölner Männer-Gesang-Verein widmet aus diesem Anlass sein Jahreskonzert am 22. September dem aus Köln stammenden Komponisten: »Piff, Paff, Puff! Jacques Offenbach zwischen Revolution und Operette«.

Mit dem Grandseigneur des Cancan hat der KMGV bereits früh musiziert – 1848 konnten die Kölner Musikfreunde den KMGV und den berühmten Cello-Virtuosen in einem gemeinsamen Konzert erleben. Das diesjährige Philharmoniekonzert entführt das Publikum auf eine musikalische Entdeckungsreise zurück zu den Ursprüngen dieser gegenseitigen Wertschätzung.

In jenem Jahr kehrte Offenbach aus seiner Wahlheimat Paris zurück in seine Geburtsstadt Köln, um den Revolutionswirren an der Seine zu entkommen. Am Rhein zog 1848 die 600-Jahr-Feier zur Grundsteinlegung des Kölner Doms fast alle Aufmerksamkeit auf sich. Der KMGV lud zu einem Benefiz-Konzert in den großen Saal der Casino-Gesellschaft und musizierte dort am 14. August 1848 das erste Mal mit dem (damals noch nicht so) berühmten Sohn der Stadt, der an jenem Abend seine »Phantasien über Rossini« präsentierte.

In seinem Jahreskonzert 2019 wird der KMGV erstmals wieder seit 1848 Teile jenes historischen Originalprogramms aufführen und bisher unveröffentlichte – teils verloren geglaubte – Kompositionen Offenbachs erklingen lassen.

Geschichte einer Konzert-Rekonstruktion

Offenbachs Œuvre ist nicht dafür bekannt, dass darin viele Stücke für großen Männerchor enthalten sind. Wie ist es dem KMGV also gelungen, ein komplettes Konzertprogramm aus den Werken des Komponisten zusammenzustellen?

1848 weht der Wind der Revolution durch Europa – Revolutions- und Bürgerwehrlieder erklingen allerorten. In Köln komponiert Offenbach im Auftrag einige »vaterländische Lieder«, die den Wunsch nach Freiheit und den in der Luft liegenden Nationalstaatsgedanken heroisch-pathetisch vertonen.
»Welchen Einfluss haben die politischen Entwicklungen auf Offenbach gehabt und welche Rückbezüge lassen sich in seiner musikalischen Arbeit heute noch nachvollziehen?« fragt Bernhard Steiner, der als musikalischer Leiter des KMGV im Laufe der Konzertvorbereitung zu einem großen Offenbach-Fan geworden ist.
Für Oliver Zittlau, Vorsitzenden des Musikausschusses, steht fest: »Ziel ist es, möglichst viele Originalkompositionen von Offenbach zu singen.« Dafür hat der KMGV viel Recherche geleistet – und auf diesem Weg viel Spannendes über den Komponisten gelernt, Vergessenes aus der eigenen Vereinsgeschichte rekonstruiert und neue musikalische Freunde und Förderer gewonnen.

Bei den Recherchen nach passender Chorliteratur erwies sich das Historische Archiv der Stadt Köln als wahre Fundgrube. Den Hinweis erhielt der KMGV von Ralf-Olivier Schwarz – der Offenbach-Biograph unterstützt mit seinem Wissen über das Leben des Komponisten die Arbeit der Kölner Offenbach-Gesellschaft. So fand der KMGV im eigenen Nachlass z. B. das Original-Programm zum bereits erwähnten Konzert von 1848. Der Chor wird auch in der Lage sein, das von Jacques Offenbach 1848 für das Musikkorps der Kölner Bürgerwehr komponierte „Bürgerwehrlied“ erstmals wieder zur Aufführung zu bringen – dessen Original ist erst vor kurzem im Stadtarchiv aufgefunden worden. Eine kleine Sensation, dass dieses Manuskript den Archiveinsturz vor 10 Jahren überstanden hat.

Im Jahreskonzert 2019 werden mehrere Wieder-Uraufführungen zu hören sein: Kompositionen Offenbachs, die nur als Handschrift existieren und bis vor kurzem als verschollen galten. Gesammelt und editiert wurden diese von Jean-Christophe Keck, einem französischen Dirigenten und Musikwissenschaftler, der als der weltweit versierteste Offenbach-Kenner gilt. In ihm hat der KMGV einen enthusiastischen Mitstreiter gefunden! Seit mehr als 20 Jahren ist er Herausgeber der »Offenbach Edition Keck« bei Boosey & Hawkes, dem weltweit führenden Klassik-Verlag, der für dieses Konzert erstmals mehrere dieser Manuskripte transkribiert und verlegt. Der Kölner Männer-Gesang-Verein wird der erste Chor seit 1848 sein, der diese Offenbach-Raritäten erklingen lässt.

Dr. Joachim Hardewig, der als Mitglied des KMGV-Musikausschusses den Kontakt zu Keck pflegt, hat durch den Austausch mit dem französischen Offenbach-Experten einen neuen, deutlich differenzierteren Blick auf den Erfinder der Operette: »Schade, dass Offenbach oft nur auf den Cancan reduziert wird. Jacques Offenbach war nicht nur ein brillanter Cellist, sondern schuf hochkarätige Kompositionen, die vor zeitgenössischer Kritik und politischer Satire nur so strotzten!«
Wer sich mit dem Œuvre genauer befasst, erkennt zum Beispiel in »Die Großherzogin von Gerolstein« eine kaum verhohlene Persiflage: Offenbachs Replik gleicht – nicht zuletzt in der dem Konzert den Namen gebenden Arie »Piff, Paff, Puff!« – einer antimilitaristischen Parodie auf das »Pif, paf, pouf« (ein hugenottisches Kampflied aus dem Krieg vor La Rochelle), aus Meyerbeers Oper »Die Hugenotten«.
Und »Hoffmanns Erzählungen« ist derart visionär, dass für KMGV-Dirigent Bernhard Steiner feststeht: »Dieses Stück kann man eigentlich nur verfilmen – für die von Offenbach erdachten Bildwelten reichen die technischen Mittel einer Opernbühne immer noch nicht aus!«

KMGV sichert sich Expertise von Offenbach-Koryphäen

Musikfreunde und Offenbach-Fans können sich bereits auf die KMGV-Pressekonferenz Ende August zum Konzert »Piff, Paff, Puff! Jacques Offenbach zwischen Revolution und Operette« freuen: In der Wolkenburg wird dann der Offenbach-Biograph Ralf-Olivier Schwarz den Einfluss seiner Geburtsstadt Köln auf den Komponisten schildern, der vor allem in Paris und Wien schöpferisch tätig gewesen ist. Danach wird Dr. Mario Kramp, Leiter des Kölnischen Stadtmuseums, das erste gemeinsame Konzert des KMGV und Jacques Offenbach in den politisch-historischen Kontext einordnen. Der Kölner Männer-Gesang-Verein freut sich sehr, zwei ausgewiesene Experten für die Vorbereitung des Konzertes gewonnen zu haben.

Als einzige Institution in Köln kann sich der KMGV damit rühmen, mehrfach mit dem begnadeten Komponisten und Cellisten Jacques Offenbach aufgetreten zu sein – die Chronik des Verein listet im »grünen Buch« derer vier verbürgte Anlässe auf, über die sich der Chor als Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung bis heute sehr freut:

  • 14.8.1848 zur 600-Jahrfeier der Grundsteinlegung des Kölner Doms im großen Saal des Casinos
  • am 26.12. 1853 beim Winterkonzert des KMGV
  • bei zwei Londoner Konzerten auf der dritten Englandreise des KMGV im Sommer 1857
  • Während ihres Gastspiels in Paris, 1855, lud der „Kölner Landsmann Herr Jacob Offenbach“ die Sänger in sein kurz zuvor eröffnetes Theater „Bouffes-Parisiens“ ein.

15-mal Offenbach pur & mehr!

Kommen Sie mit auf eine aufregende Reise durch die Zeit- und Musikgeschichte: Der Kölner Männer-Gesang-Verein präsentiert neben den Werken Offenbachs auch Stücke von dessen Zeitgenossen wie George Bizet, Giacomo Meyerbeer, Franz von Suppè, Giuseppe Verdi oder Robert Schumann und macht damit eine der musikalisch spannendsten Epochen wieder hörbar.

Die Sänger freuen sich bereits auf die hochkarätigen Solisten – Eleonore Maguerre (Sopran), Wieland Satter (Bassbariton), Matthias Koziorowski (Tenor) und Gabriel Schwabe (Violoncello) – sowie die Neue Philharmonie Westfalen, die den KMGV in diesem Konzert unter der Leitung von Bernhard Steiner begleiten werden.

Termin vormerken:
»Piff, Paff, Puff! Jacques Offenbach zwischen Revolution und Operette«
am 22. September 2019 um 11 Uhr in der Kölner Philharmonie
,
Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln Vorverkaufsbeginn: Mittwoch 22.05.2019
Tickets über die Kölner Philharmonie bestellen >>

– BW –

Zurück